Lesereien: Vergeltung von Don Winslow

Ich lese gerade: Winslow, Don: Vergeltung
Ich muss rechtgeben: Den meisten Rezensenten, die diesen Roman zerreißen.
Ich frage mich: Warum lese ich eigentlich weiter?

„Also, ihr genialen Taktiker und obercoolen Superkrieger, wir kennen das Problem. Jetzt will ich eine Lösung.“

Das fasst eigentlich schon alles zusammen, was der Söldnerchef da sagt. Die Erzählweise ist die eines Films und als Film wäre das mit den schnell wechselnden Perspektiven und Schlaglichtern auch ganz brauchbar. „The Expendables“ nur ohne Humor und mit Pappnasen, statt mit Stallone, Chuck Norris und Co.
In Sachen Finesse … es blitzen ständig Möglichkeiten und tolle Ideen durch, sowohl bei den Figuren, als auch in Sachen Plot, aber ganz oft fehlen die Details (Außer, bei den genauen Nummern von Waffenmodellen. Über die Bezeichnungen erfährt man mehr als über die Waffen selbst).

Ach, ich bringe jetzt die letzten 100 von 480 Seiten noch hinter mich und ärgere mich weiterhin jede Seite lang darüber, dass nicht Frederick Forsyth diesen Roman geschrieben hat. Denn mal ehrlich: Selbst „Die Todesliste“, die nicht Forsyth stärkster Roman ist, hat mehr Faszination und Figurenzeichnung.

Die neunte Expansion – Woher kam die Idee?

Woher kommt die Inspiration?
Unzufriedenheit ist da ja eine starke Triebkraft. Unzufriedenheit an und für sich ist zunächst ja nichts Negatives, so lange sie zu einer konstruktiven Weiterentwicklung führt. Wäre es unseren Vorfahren in den Höhlen nicht zu kalt gewesen oder hätten sie nur gemeckert, statt zu handeln, wären wir entweder ausgestorben oder würden noch immer frierend in der Höhle sitzen.

Mit der momentanen Lage der deutschsprachigen SF und der SF allgemein kann man als SF-Autor durchaus etwas unzufrieden sein. Oder hat jemand Völker-SF wie „Die Raumschiffe“, „Die Marsianer“, „Die Aliens“ auf der Bestsellerliste gesehen? Na gut, nach solchen Sternen muss man nicht unbedingt greifen.
Worauf ich hinaus will ist, wie sich aus einer beliebig erscheinenden Diskussion im SF-Netzwerk die Romanreihe „Die neunte Expansion“ entwickelte.
Los ging es mit „Deutsche Science Fiction fördern“ (http://www.scifinet.org/scifinetboard/topic/14657-deutsche-science-fiction-fordern/)
Daraus entstand: „Was müsste eine neue Romanserie drauf haben?“ (http://www.scifinet.org/scifinetboard/topic/14705-was-musste-eine-neue-romanserie-drauf-haben/)
Daraus wiederum entstand eine Arbeitsgruppe innerhalb eines geschlossenen Raums im SF-Netzwerk, und nach einigem kleinen Gewechsel schließlich „Die neunte Expansion“, die mit viel Engagement (auch finanziell) vom Wurdack Verlag umgesetzt wurde.

Da sag doch mal einer, dass aus Gemecker nichts Großartiges entstehen kann. Man muss nur den Punkt finden, an dem man mit Meckern aufhört und anpackt.